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Fotoarchiv 2. Quartal
TVF-Athlet, Karl-Heinz Müller, beim Naturerlebnislauf
über 93 km am 08/09.04.2005
Vorab: Nach meinen beiden letzten Marathonläufen
im vergangenen Jahr habe ich bemerkt, dass da immer noch einige Kraftreserven
da sind. Und da kam mir der Gedanke, einmal einen Lauf in Angriff zu nehmen,
der länger als die Marathondistanz ist. Auf Tempo lege ich nicht
so großen Wert, eine große Massenveranstaltung sollte es auch
nicht sein und eine lange Anreise wollte ich auch vermeiden. Da kamen
für mich nur zwei Veranstaltungen in Frage: die 50 km (100 km) in
Grünheide und obiger Naturerlebnislauf.
Meine Entscheidung viel auf den Naturerlebnislauf weil er 4 km länger
war als der in Grünheide und kein stures Rundenrennen sein sollte.
Um es vorweg zu nehmen - ich habe meine Entscheidung nicht bereut.
Der Lauf setzt sich eigentlich aus zwei Teilläufen zusammen. Am ersten
Tag geht es von Lübben zum Hölzernen See in der Nähe von
Königs Wusterhausen (KW für die Eingeweihten) über 54 km
und am zweiten Tag geht es noch einmal über 39 km von KW zum Hölzernen
See. Geplant war der Lauf in 3 Gruppen, je nach persönlicher Leistungseinschätzung.
Ich habe mich für die schnellste Gruppe entschieden, die mit ca.
6:00 / km laufen sollte. Das war ziemlich genau mein normaler "Schlappschritt".
Anreise: Bin mit meiner Frau am Freitag gegen 18:30 Uhr am Hölzernen
See eingetrudelt. Gerade zur rechten Zeit zur Nudelparty und Einweisung.
Ich war etwas verwundert über die bescheidene Resonanz des Laufes,
aber das kam mir entgegen. Massenveranstaltungen meide ich. Nach der Einweisung
noch gemütliches Beisammensein und ein erster Erfahrungsaustausch
und dann rechtzeitig ab ins Bett.Jetzt muss ich aber noch mein VWKGJ einflechten.
Bin am Samstag davor 22 km gelaufen - alles prima. Am Sonntag sollten
es 26 km werden. Die 21 km hatte ich nach 1:52 hinter mir, und bei den
letzten 5 km war ich total platt. Das hatte ich noch nie erlebt. Nach
einer so kurzen Strecke. Da liefen die langen Läufe immer besser.
Na ja, vielleicht war es auch einfach zu warm.Jetzt zu den Läufen.Am
Samstagmorgen, 6:00 Uhr, Stille, nur Vogelgezwitscher - wunderschön.
Aber dann raus aus der Falle und ab unter die Dusche. 7:00 Uhr Frühstück.
8:00 Uhr Abfahrt mit dem Bus nach Lübben. 8:45 Uhr stehen wir vor
dem Schloß Lübben. Es ist kühl, der Stadtrat gibt uns
ein paar gute Wünsche mit auf den Weg und gegen 9:00 Uhr traben wir
los. Erst gemeinsam durch Lübben, dann forciert meine Gruppe (5 Läufer)
etwas das Tempo und schon sind wir allein auf weiter Flur. Die Sonne scheint,
die Luft ist klar und kühl, die Laufgeschwindigkeit ist optimal -
Herz was willst du mehr. Wir kommen zum Spree - Umflutkanal und laufen
dort ein ganzes Stück entlang bis zu den Fischteichen. Schön.
Auf einmal, links von uns schwarze Wildrinder die grasend über die
Wiesen ziehen. Rechts von uns, bei den Fischteichen - Reiher. Ein NaturGENUßlauf.
Nach 12,5 km wartet auf uns am Gasthaus Petkamsberg schon die erste erste
Verpflegungsstelle. Warmer Tee, Mineralwasser, Fruchtsaft, Kuchen und
Kekse. Noch brauchen wir nichts wirklich. Aber da der Lauf noch einige
Zeit dauern wird, bedienen wir uns. Weiter geht es in nach Schlepzig,
durch dieses schöne Spreewalddorf hindurch auf kleinen Pfaden zum
Wehr Zerniasfließ zur Brücke Puhlstrom nach Krausnick. Vor
dem Landhotel bei km 21 steht die zweite Verpflegungsstelle. Hier gibt
es sogar Bier zu trinken. Also kurzer Stop. Wasser, Kuchen und ahhhh saure
Gurken.
Dann geht es in die "Berge" - die Krausnicker Berge. Immer stetig
bergauf. Der Wind fängt auch an den Körper auszukühlen.
Zum Glück sind wir gleich wieder im Wald verschwunden und es wird
wieder erträglicher.
Unser nächstes Ziel ist der Aussichtsturm auf dem Wehlaberg und der
liegt immerhin 144 m ü. NN. Wir nehmen uns auch die Zeit, den Turm
zu besteigen und kurz die Aussicht zu genießen. Von dort können
wir schon die Ortschaft Köthen sehen, wo unsere nächste Verpflegungsstelle
ist.
Kurze Zeit später gibt es wieder Kuchen, Mineralwasser usw. Meine
Frau steht auch schon dabei. Sie ist die Strecke vom Hölzernen See
bis Köthen mit dem Fahrrad gefahren und begleitet uns ein kurzes
Stück.
Weiter geht es. Am Nordufer des Köthener Sees entlang und dann immer
dem Dahme - Umflutkanal folgend. Noch laufen alle Systeme einwandfrei.
Die Gruppe läuft im 6:00 Schnitt. Wir sind übrigens drei Vorfußläufer
und zwei Trappser. Ich bin auch einer. Leistungsmäßig alles
dabei. Z. B. Simone, die schon viele Ultras gelaufen ist oder der Hagen
der uns während des Laufens mit einigen seiner Schilderungen von
Ultras die Zeit vertrieben hat, oder der Ralf, der meint nicht schnell
laufen zu können, aber die Harzquerung in 5:10 läuft. Für
mich als Ersttäter auf der Ultrastrecke Balsam. Kurz vor Märkisch
Buchholz, eine Asphaltstraße, meine Frau ist auch wieder da. Schöne
Landschaft, Wasser, Grün. Es läuft noch gut.
An der Kirche in Märkisch Buchholz unsere vorletzte Verpflegungsstation
mit der liebevollen und aufmerksamen Betreuung durch die Sportkameraden
von der WSG81 Königs Wusterhausen.
Jetzt gilt es. Die letzten 16 km. Die sind die schwersten - frage ich
mich. Meiner Frau geben wir noch Tipps, wie sie mit ihrem Fahrrad am besten
zur nächsten Verpflegungsstation kommt, denn wir wollen immer am
Dahme - Umflutkanal entlang. Und da ist der Weg nicht immer fahrradgeeignet
- aber wunderschön zu laufen.
Die 8 km bis zur nächsten Verpflegungsstelle an der Schleuse Hermsdorfer
Mühle vergehen wie im Flug. Jetzt wird noch einmal ordentlich getrunken
und Kuchen gegessen, auch wenn der einem jetzt schon fast aus dem Hals
raus hängt. Alternativ dazu gibt es auch Butterstullen mit Salz.
Aber Butter meide ich. Mancher hat sich auch noch ein Fläschchen
Bier eingeflößt. Das könnte ich nicht, da wäre ich
vermutlich schon laufunfähig. Weiter geht es.
Die ersten 100 m nach der Verpflegungsstelle sind immer die schwersten.
Die Beine sind steif und wollen nicht so richtig. Kein Wunder, schließlich
haben wir schon 45 km hinter uns. Mehr als ich jemals gelaufen bin. Jetzt
geht es einmal rechts an einem ehemaligen Militärgelände vorbei
und dann links eine laaaange Gerade durch den Wald.
Endlich tauchen vor uns die ersten Häuser von Neubrück auf.
Wir überqueren die B 179 und jetzt sind es nur noch 3 km bis zum
Ziel am Hölzernen See. Die fallen mir noch einmal richtig schwer.
Kurz vor dem Ziel noch einmal ein Fototermin.
Wir laufen durch den tosenden Beifall der Zuschauer (ungefähr 10
- nicht Tausend) und haben es geschafft. Mein erster Ultra und ich fühle
mich fast besser als nach einem Marathon. Gebraucht haben wir 5 h 26 Min
(Pausen herausgerechnet). Das entspricht fast genau einer Kilometerzeit
von 6:00.
Anschließend gleich unter die Dusche und dann auf zur Schlacht am
Kuchenbuffet. Zugegeben - ohne den Kuchen unterwegs hätte ich die
doppelte Menge geschafft ;-)))).
Ca. 45 Minuten später kam dann die nächste Laufgruppe ins Ziel
- Valerie, als Guide ließ es sich nicht nehmen, mit ihnen noch eine
Schlussgymnastik zu machen. Hut ab. Was mir etwas Sorge bereitete, war
die Tatsache, das meine Frau noch nicht da war. Gegen 17:00 Uhr stand
sie dann in der Tür. Total verschwitzt und kaputt. Ihr Fahrrad hatte
einen Platten, mit der Luftpumpe kam sie nicht klar, ohnehin kein Flickzeug
dabei und Hilfe weit und breit nicht in Sicht. Also hat sie das Fahrrad
13 km GESCHOBEN. Das war dann ihr erster inoffizieller Duathlon. 18:30
Uhr war dann Abendbrot - mit Nudeln und anderer kohlenhydratreicher Sachen.
Nur unsere 3. Gruppe fehlt noch. Alles machte sich Sorgen, bis sich Hagen
ins Auto setzte und eine Suchaktion startete. Gegen 19:15 Uhr war er dann
wieder zurück - mit der Gruppe. Die hatte sich kurz hinter der letzten
Verpflegungsstelle verlaufen und ist im nächsten Ort gelandet. Kann
ja schließlich mal passieren. ;-)))).
Nach dem Abendbrot gab es dann noch einen interessanten Lichtbildervortrag
vom Naturschutzwart und anschließend Klönstunde bei Bier, Kaffee
und Kuchen.Wir haben uns zeitig ins Bett verzogen, aber es soll auch Läufer
gegeben haben die es bis gegen Mitternacht ausgehalten haben.
Am nächsten Morgen. Wieder Stille. Heute geht es eine halbe Stunde
früher aus dem Bett. In der Nacht hat es geregnet. Es ist kalt. Geschätzt
um den Gefrierpunkt, aber die Sonne scheint. Die Beine sind etwas schwer,
aber nicht so schlimm wie ich es erwartet hatte. 6:30 Uhr Frühstück,
7:30 Uhr Busabfahrt. Es haben sich heute noch einige Läufer mehr
eingefunden, die uns auf dem zweiten Abschnitt begleiten wollen.
Pünktlich um 8:00 Uhr starten wir vom Schloß Königs Wusterhausen.
Unsere Gruppe ist auf sieben Läufer angewachsen. Nach dem Start dauert
es eine Weile, bis das richtige Tempo getroffen wird. Entlang des Nottekanals
begegnen uns trotz des zeitigen Morgens und der Temperaturen einige Läufer.
Es geht immer am Krummen See entlang, durch das Sutschketal, wo wir schon
von Fotografen belauert werden. Am Gasthaus Sutschketal ist nach 9,4 km
schon der erste Verpflegungspunkt.
Noch geht es mir gut. Weiter nach Bestensee. Wir queren die Eisenbahn.
Ahhh, das war doch genau die Stelle, wo ich im vorigen Jahr den Staffelstab
der Deutschlandstaffel übernommen habe. Weiter geht es nach Pätz.
Jetzt wird es schwer. Nach 19 km kommt die zweite Verpflegungsstelle.
Ich überlege (laut), ob ich mein Tempo etwas drosseln sollte und
mich in die nächste Gruppe zurückfallen lassen sollte. Doch
die anderen Läufer meinten unisono, dass ich das schon schaffen werde
und sie würden mir schon helfen. Überredet. Es geht durch die
Wälder. Als Ortsunkundiger erscheint es kreuz und quer.
Wir kommen zum NSG Paddenpfuhl. Dort gibt es eine Aussichtsrampe - und
einen Fototermin. Dann geht es aufwärts. Hoch zum Feuerwachturm im
NSG Radeberge.
Die letzten 50 m hoch gehe ich. Wer hat die Berge hier her geschleppt
? Dann einmal kurz runter und wieder hoch auf den Sauberg. Den laufe ich
wieder hoch. Jetzt ist es Hagen, der die letzten Meter geht. Das beruhigt
mich, dass auch ein alter Hase "schwächelt". Oben angekommen
kracht es links im Lärchenwald. Ein Hirsch (und was für ein
Brocken) versucht, keine 100 m von uns entfernt, einen Maschendrahtzaun
mit einem langen Holzpfahl vom Geweih zu entfernen - was im nicht gelingt.
Wir sehen uns das Schauspiel/ Drama an und rufen per Handy bei der Polizei
an und laufen dann weiter.
Valerie mit der nachfolgenden Gruppe hat den Hirsch übrigens auch
noch gesehen. Jetzt geht es noch ein ganzes Stück durch den Wald,
wir queren die B 179. Jetzt sollen es nur noch 11 km sein. Auch wenn's
schwer fällt, das schaffe ich noch.
Wir kommen zum "Haus des Waldes" - die letzte Verpflegungsstelle.
Ich lechze nach Wasser und schütte mir einen halben Liter ein. Zwei
Stück Kuchen und saure Gurken und weiter. Entlang des Frauensees.
Am Ende des Sees erwartet uns noch Ungemach. Die Forst hat im Wald gehaust
und die Baumstämme kreuz und quer über den Weg liegen gelassen.
Pech für uns aber auf den letzten Kilometern lassen wir uns nicht
davon beeindrucken.
Die letzten 5 km werden schwer. Die Beine immer müder. Aber wenn
ich es genau nehme, würde ich auch noch 3 km weiter laufen können.
Plötzlich und unerwartet - das Ziel taucht kurz vor uns auf. Unser
Publikum steht schon da und feuert uns an.
Die letzten Meter - es ist geschafft. Ich / wir haben es geschafft. Mein
erster Ultra und noch fast einen Marathon hintendran. Toll. Wir sind alle
aufgekratzt. Die Wiederholungstäter genauso wie ich. Dann ab unter
die heiße Dusche und ran an die Erdbeertorte. Das ganze Kuchensortiment
durchprobiert.
Lecker - aber dann reicht es für die nächsten Tage. Die anderen
beiden Gruppen sind dann auch bald im Ziel.
Wir klönen noch etwas, die Urkunden werden überreicht. Tja und
das war es dann.
Ach so, für die 39 km haben wir 3 h 52 Min. gebraucht, also etwas
schneller als ein Schnitt von 6:00 / km.
Mein persönliches Fazit: Ein wunderschönes Laufwochenende.
Ich bin nächstes Jahr wieder mit dabei. Vielen Dank noch einmal an
die Organisatoren und Helfern der WSG 81 Königs Wusterhausen.
Weitere Infos findet Ihr unter: www.drsl.de
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