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Fotoarchiv 3. Quartal
TVF´ler überqueren die Alpen vom 26.08. - 03.09.2005

v.l.n.r: Carsten Reichelt, Wolfgang Krämer, Steffen Knappe, Friedrich Köhler
Alpenquerung als Urlaubstraum
Ende August 2005 taten sich 4 Leute (Wolfgang Krämer, Friedrich Köhler, Carsten Reichelt und Steffen Knappe) zusammen, um sich an die Alpenüberquerung mit dem MTB zu wagen.
Pro Jahr machen sich rund 16.000 Mountainbiker auf den Weg und kennen nur ein Ziel, den Gardasee in Norditalien.
Nach intensiver Tourvorbereitung von Friedrich und Wolfgang begann am 26.08.2005 unsere große Reise. Jedoch hatten wir bereits vor dem eigentlichen Beginn die erste Hürde zu meistern. Obersdorf, unser eigentlicher Ausgangsort war durch Hochwasser unpassierbar geworden, so dass wir den Start kurz entschlossen nach Innsbruck verlegen mussten.
Nach einer ersten Stärkung bei Wolfgang mussten wir unsere Neugier stillen und wogen unsere Rucksäcke.
Von 4 kg (Leichtgewicht von Steffen) über 6 kg bis zu 10 kg (Carsten) war alles dabei.
Am 27.08. erreichten wir, nach einer angenehmen Nacht im Zug, Innsbruck und wir nahmen uns vor, als kleine Erwärmung, die Asphaltpiste bis zum Gotthardtunnel zu nutzen. Jedoch bekamen wir schnell mit, was uns in den nächsten Tagen erwarten würde. Steigungen von über 10% ließen uns nach 53 km und rund 1.200 Höhenmetern nicht mehr so fit aussehen.
Aber das Wetter tat uns eine Freude, mit viel Sonne im Rücken genossen wir das wunderschöne Alpenpanorama und der Griff zur Kamera wurde fast zwanghaft. Leider blieben wir an diesem Tag von der Defekthexe nicht verschont und mussten Probleme mit der Bereifung und Schaltung beheben.
Unser Tagesziel in Grosssass erreichten wir noch bei Tageslicht und das Doppelzimmer incl. Frühstück für 27,00 € bot uns Erholung und anständig etwas zu essen.
Der 2. Tag, eine anspruchsvolle Tour über 50 km und rund 1.500 Höhenmetern, führte uns hinauf auf den Jaufenpass. Dieser war mit 2.094 m über NN und einem 16 km langen Anstieg keine leichte Aufgabe. Motiviert wurden wir jedoch von den vielen Radfahrer, die am selben Tag den berühmten 240 km langen Radmarathon absolvierten. So erreichten wir, trotz des bewölkten Himmels die Gipfelhütte bei guter Laune und machten dort erst einmal ausgiebig Rast, um die „tausenden“ Radfahrern anzufeuern. Dabei fiel uns ein Teilnehmer besonders auf, der hatte nämlich nur ein Bein und war genauso schnell unterwegs, wie so viele andere Radmarathonis.

Die 4 Gipfelstürmer am Jaufenpass
Auf der Gipfelhütte wurde dann recht ausführlich darüber diskutiert, ob und wann wir die Straßen verlassen sollten. Wir entschlossen uns dies am nächsten Tag zu tun und dafür in aller Ruhe am Abend eine passende Route auszuwählen.
Hinter St. Martin fanden wir unsere 2. Unterkunft, in einem kleinen aber komfortabel eingerichtetem Privathaus, für 22 € mit Frühstück.
Das Abendessen nahmen wir jedoch an diesem Abend in einer etwas abseits gelegenen und nur über abenteuerliche Wege erreichbaren Gaststube ein und die Kellnerin staunte nicht schlecht über die Portionen die wir so verdrückten.
Der 29. Kalendertag empfahl sich sonnig und unsere Tagesroute führte wie geplant hauptsächlich durch Gelände. Unser Tagesgipfel hieß Gampenpass, der mit dem Velo leider teilweise nicht mehr zu passieren war und uns jede Menge Kraft kostete, die wir jedoch am Abend im Gasthaus Rinnerhof, bei sehr netter Bewirtung und leckerem Essen und anständigem Bier wieder auftankten. Wir waren Stolz auf unsere Leistung (1.600 Höhenmeter) und verspürten echten Teamgeist.
Am nächsten Morgen machten wir uns, gut gestärkt auf die 52 km lange Etappe (1.100 Höhenmeter). An diesem Tag hatten wir ein besonders eindrucksvolles Erlebnis, die Bachüberquerung über eingestürzter Brücke. Wir schafften Gepäckstücke, Räder und schließlich auch uns mit artistischen Einlagen über den Bach. Unser Tagesziel lag weit oberhalb der Baumgrenze. Zum Abendessen gönnten wir uns für 17 € ein vier Gänge Menü, welches keinen Wunsch offen ließ.
Der 5. Tag führte uns bei teils wolkigem Wetter von Cavissana entlang am Fluss bis nach Vallessinella Refugo. Auf den insgesamt 37 Km, mit seinen 1.250 Höhenmetern waren wieder viele steile Anstiege zu meistern und es kam schon mal vor, dass wir uns an einer der vielen Gabelungen kurzzeitig aus den Augen verloren aber dank unserer Handys immer wieder zusammenfanden.
In Vallessinella Refugo angekommen, zeigten wir dem Gastwirt unseren Streckenplan für die nächsten Tage. Er erklärte kopfschüttelnd, dass dies kein Weg für Fahrräder sei. Zwar verunsicherte uns dies anfänglich einwenig aber nach einigen Bieren siegte unser Optimismus.
Der 01.09. kündigte sich bereits zu Beginn als unsere schwierigste Tagesetappe an, wir mussten unser Fahrrad 300 Höhenmeter zur Val Brenta Hütte hinauf schultern. Danach folgten weitere 700 m auf engsten Terain, den Abgrund ständig vor Augen. Spätestens hier beschlich dem einen oder anderen von uns der Gedanke, dass man den Rat des Mannes hätte befolgen sollen. Und als uns wenig später 2 Bergsteiger kopfschüttelnd fragten, was wir hier oben machen, war uns klar, dass wir noch viel Glück und Geduld für den bevorstehenden Abstieg benötigen würden.
Wenig später, an einem steilen Felsabgrund ist es dann passiert, Friedrich verlor seinen Rucksack, dieser polterte 2 Etage tiefer in vorbei in Richtung Carsten, der ihn aber nicht stoppen konnte und so stürzte der Rucksack weitere 80 Meter in die Tiefe. Im ersten Augenblick dachte niemand an den Rucksack, seinen Inhalt und die Konsequenzen etc. Jeder war bemüht nicht selbst auf den rutschigen Felsen in die Tiefe zu stürzen.
Anderthalb Stunden dauerte unsere Suche, bis wir das Gepäckstück und einen weiteren Rucksack in unseren Händen hielten. Vom Schock erholt machten wir uns auf ins Tal. Mit viel Verspätung und noch ca. 80 km bis zum Gardasee (eigentliches Ziel) gaben wir alles, was unsere Beine hergaben.
35 km vor dem Gardasee, in dem Ort Stendico riss Wolfgang die Kette und so entschlossen wir uns in der nächsten Pizzeria nach einer Unterkunft zu fragen. Gleich meldeten sich mehrere Einheimische und wir entschieden uns für den erstbesten und gingen mit zu ihm nach Hause. Dort verbrachten wir den Abend in aller Gemütlichkeit. Wir werteten unsere Tagestour bei einem Glas Bier aus –Wolfgang reparierte sein Rad…). Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem Frühstück auf die Strecke. Der erste Teil gestaltete sich recht rampenhaft, mit Steigungen bis zu 25%.
Lag es nun an der neuen Kette, jedenfalls mobilisierte Wolfgang seine Kräfte und traf völlig unerwartet als 2. auf der Bergspitze ein.
Dort angelangt, begegneten wir eine Gruppe Mountainbiker, die ihre Alpenüberquerung für 800 € bei einem Reiseanbieter gebucht hatten. Wir tauschten uns über viele Insidertipps aus und fuhren anschließend „langsam“ in Richtung Gardasee. Riva präsentierte sich als wahres Mountainkie-Mekka und nach einem ersten Bad im Gardasee genossen wir eine große Portion Eis. Völlig unerwartet kundschafteten wir ein kompfortables und preiswertes Hotel für die nächsten 2 Tage aus.
Am letzten Tag teilte sich unsere Gruppe, Friedrich und Wolfgang organisierten die Heimreise und legten dabei 60 km zurück.
Carsten und Steffen wollten es noch einmal wissen und planten den berühmten Trimalso mit seinen 73 km Länge und 1.800 Höhenmetern zu erklimmen. Mit 4 Stunden Fahrzeit, bei herrlichstem Wetter zeigten sie sich in Bestform.
Fazit: Für alle die es gern selbst einmal probieren wollen, sei empfohlen: Plant Eure Tour gut und hört auf die Einheimischen. Wenn Ihr mit dem Auto oder der Bahn reisen wollt, nehmt Euch Zeit und Geduld mit, so manches mal hatten wir auf unserer 19-stündigen Rückfahrt Herzklopfen, da nicht immer klar war, ob wir alle Anschlusszüge erreichen würden.
Für uns jedenfalls war die Alpenüberquerung ein einschneidendes Erlebnis, was Land, Leute aber auch die Atmosphäre in der Gruppe betrifft.
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