Fotoarchiv 3. Quartal
TVF-Athlet Uwe Drendel über seinen Start beim Ironman Germany am 01.07.2007 in Frankfurt/Main
Am Mittwoch, dem 27.06.2007 habe ich mich gegen Mittag auf den Weg nach Frankfurt/Main gemacht, zu meinem persönlichen Saison-Highlight. Viele Monate umfangreichen Trainings lagen zu diesem Zeitpunkt hinter mir und verliefen nicht immer so, wie es geplant war. Schwimmen und Radeln waren in der Vorbereitung nicht schlecht. Jedoch war das Lauftraining nicht optimal. Mein linkes Knie hat mir seit dem Duathlon in Alt Golm so manchen Streich gespielt. So waren einige Wochen Laufpause notwendig, um hier den Start beim Ironman nicht zu gefährden. So war denn auch etwas Ungewissheit für das Unternehmen Ironman, zumal es die erste Langdistanz war, gesät.
4 Tage in Frankfurt am Main waren ein tolles Erlebnis, nicht nur das Rennen allein, sondern auch die Tage davor. Ich hatte mich entschieden, am Donnerstag um 11.00 Uhr eine sog. Einführungsrunde zum Kennen lernen der Radstrecke zu absolvieren. 84 km noch am Donnerstag zu fahren – einige Bedenken hatte ich schon so kurz vor dem Rennen. Aber die Organisatoren haben es für alle Teilnehmer so einfach wie möglich gemacht. Ein vorausfahrendes Auto mit ca. 25 km/h im Schnitt, ca. 50 bis 70 Fahrer umkreist von ca. 15
Motorrädern „räumten“ die Strasse frei. Rote Ampeln galten diesmal nicht für uns, so dass ein entspanntes Fahren möglich war. Durch diese Einführung verlor ich zum Glück etwas den Respekt vor den angekündigten 1000 Höhenmeter für den Raceday . Das Training im Riesengebirge sollte sich für mich am Sonntag dann auch auszahlen. „The Beast“ und „The Hell“ sind zwar schauerliche Bezeichnungen für die Ansteigungen der Radstrecke. Aber so fürchterlich wie die Bezeichnungen es einem Glauben machen sollen, sind diese wirklich nicht. Dagegen sind der Hühnerberg und auch der „Heart Break Hill“ in Bad Vilbel nicht zu unterschätzen, lang gezogen aber gut zu bewältigen. Nach gut 3,5 h Stunden Einführung waren wir bereits wieder in Frankfurt zurück und mit Blau-Licht und Tatütata wurden sogar von der Polizei die Durchfahrt für uns erzwungen. Wir fanden das alle nicht schlecht. Freie Fahrt vor den Autos und dass noch in der Main-Metropole.
Gegen Abend stand noch das Abholen der Startunterlagen an. Rucksack mit den diversen Beuteln und Start-Nummer verheißen dann schon, dass es nun langsam aber sicher ernst wird. Ein erster Blick auf den Römerberg zeigt, wie die Fernsehkameras die Perspektive und Größendimension verzerren. Alles in Natura etwas kleiner. Viele Bauarbeiter wuseln auf dem Römerberg und schrauben an den Stahlrohrtribünen.
Nach zwei schlaflosen Nächten (quasi fuhr die Strassenbahn über mein Kopfkissen) räumte ich freitagmorgens fluchtartig das erste Hotel und zog um. Dies stellte sich dann für mich als goldrichtig heraus! Gegen Mittag habe ich mich dann mit dem Langener Waldsee vertraut gemacht. Noch eine Runde geschwommen und das Wassergefühl getestet.
Auch hier wurde bereits fleißig gewerkelt und alles aufgebaut. Wechselzone, Tribünen und die Strecke aus dem Wasser mit Teppichen ausgelegt.
Nachdem wir gegen 15.30 Uhr die Wettkampfbesprechung absolvierten (u.a. man sich anhören musste, dass nicht im Wechselzelt T2 angesichts aller Helfer auf den Teppich gepuscht werden soll) war dann ab ca. 19.00 Uhr die Pastaparty angesagt. Ist man bei diversen Marathonveranstaltungen mehr oder weniger einen Langweiler mit mehr oder weniger Phantasie bei der Kreation des Essens gewöhnt, war hier Abwechslung bei Pasta, Salaten u.a.m. angesagt. Essen bis zum Anschlag / Abwinken. Daneben ein kleines Rahmenprogramm mit Interviews der vermeintlichen Hauptmatadoren Al Sultan und Stadler.
Für Samstag war Ruhe angesagt, gleichwohl noch das Rad am Waldsee sowie ein Blauer Beutel (für Radsachen) und ein Roter Beutel (mit Laufsachen) abzugeben waren. Gegen Mittag war es dann soweit und nachmittags noch ein kleines Schläfchen, bevor dann in einem italienischen Schnellrestaurant noch Nudeln getankt wurden.
Die letzte Nacht ist unruhig, fast jede Stunde mit einem Blick auf die Uhr, dazwischen immer wieder einnickend. Pünktlich gegen 3.40 Uhr klingelt der Wecker und es geht endlich los. Tri-Anzug, Sonnencreme und Melkfett. 5 Toastschnitten mit Marmelade zum Frühstück und gegen 4.45 Uhr auf zum Weg zur Abfahrtstelle des Hotel Intercontinental, die nur wenige Minuten vom Hotel entfernt ist. Platz genommen im Bus ließ sich Norman Stadler auf dem Boden nieder (mangels freiem Plätzchen) und hoffe nachträglich, dass er sich nicht dort seine Rückenprobleme für den Raceday eingehandelt hat?
Gegen 5:30Uhr am Langener Waldbad angekommen, waren noch nicht so viele Athleten da, so dass alle Zeit der Welt bestand, sein Rad´l fertig zu machen und eine der zahlreichen Pumpen zu ergattern, um den Reifen den notwendigen Luftdruck zu verpassen. 20 Minuten vor dem Start war ich dann fix und fertig , die Aufregung stieg gewaltig. 120 Puls ohne was getan zu haben! Am See och schnell eine innige Verabschiedung von den Liebsten, bevor einen die Gefühle in Angesicht der vielen grünbekappten Neoträgern übermannten. Schnell weg ins Wasser!
Einschwimmen, Gebet des Tages und Deutschlandlied -- Start und die Meute setzt sich in Bewegung. Die Drängelei geht los und lässt kaum nach, auch nicht an der ersten Wende. Man bekommt fast das Gefühl, von den Massen untergetaucht zu werden. Auf der zweiten Geraden bekomme ich dann mein „Andenken“ an den IM verpasst – blaues Feilchen auf dem rechten Auge, dass dann in den nächsten Tagen freundlich blühen sollte. Nach 1:07 h erreichte ich relativ locker das rettende Ufer und konnte noch im guten Laufschritt die Steigung zum Wechselgarten erklimmen.
Auf geht's nach Frankfurt ! Puls runter und ruhig Blut bewahren, auch wenn die Massen von hinten vorbei stürmten. Windschattenfahren pur - fast im belgischen Kreisel und die Schiedsrichter sahen tatenlos zu! Das ging fast die gesamte erste Runde so und war schon ärgerlich! Die Stimmung an der Strecke entschädigte aber vollends und es kam gute Stimmung auf. Auf keinem der 180 km kam Müdigkeit oder Langeweile auf, vielmehr spornten die vielen Zuschauer an. An den Steigungen konnte ich einige der Überholten wieder einsammeln. Da ich unheimlichen Respekt vor dem anschließenden Marathon hatte, drosselte ich immer wieder das Tempo, um nicht zu überziehen. Während der zweiten Runde konnte ich jedoch eine Menge von Fahrern wieder einsammeln, so dass die zweite Runde ebenso kurzweilig wie die Erste verlief. Daneben habe ich mir den Jux erlaubt und einige der vielen Kinderhände, die Jedem entgegen gestreckt wurden, abzuklatschen.
So erreichte ich denn zum zweiten Male Frankfurt und war dann aber auch froh, vom „Renner“ dann absteigen zu dürfen oder unterm Hintern weggezogen zu bekommen (was wohl zutreffender war). Egal, Beutel schnappen und umziehen sowie zum vierten Male (Leider) ein stilles Örtchen suchen!
Dann ging´s auf die von mir gefürchtete Marathonstrecke und es ging weiterhin sehr sehr gut für mich. Ich schaufelte einige Gels hinein und viel Iso-Getränke, jedoch rächte sich dies enorm ab der zweiten Runde. Nach für mich phantastischen 57 Minuten der ersten Runde schmerzte mein Magen leider so stark, dass ich leider Gehpausen einlegen musste, die ich nach einer Weile nur noch in den Verpflegungspunkten vornahm. Meine Laufrundenzeit der Ersten war jedoch nicht mehr zu schaffen, so dass ich mich bemühte, nicht noch stärker einzubrechen. Ab der 4. Runde ging´s dann wieder besser und zum Ziel entgegen immer flüssiger, wobei nicht schneller!
Das Sammeln der bunten Bänder hat mich immer erneut motiviert, immer dann, wenn Athleten mit weniger unterwegs waren als ich selber hatte. Der Zieleinlauf war dann gigantisch. Die vielen Zuschauer tobten regelrecht und jubelten Jedem zu. So war ich dann so euphorisch, dass ich mit jeder Seite der Zuschauer die „Laola-Welle“ übte und heftige Resonanz fand. In einer Zeit, die ich mir vorher nicht vorstellen konnte, habe ich dann also meinen ersten Ironman gefinisht: 11:19:49 h mit Platz 1.033.
Der Rest ist relativ schnell erzählt: Eine tolle Zielversorgung und -verpflegung ließ schnell die Strapazen vergessen. Das für mich erstaunlichste war, dass ich weiterhin relativ lockere Beine hatte und mich bis zum nächsten Morgen gut bewegen konnte. Sicherlich tat einiges weh. Ich musste aber nicht, wie meine Familie befürchtet oder gehofft(?) hatte, mit einer Schubkarre abtransportiert werden. So habe ich dann mit meiner Frau noch am Abend den letzten Finishern von der Tribüne zugejubelt und die tolle Stimmung geniessen können.
Fazit nach mehr as 10 Tagen:
1. Ich überlege mir schon die nächste Langdistanz. Es war sicherlich nicht die Letzte.
2. Von der Organisation, Verpflegung und Stimmung her, können man Berlin-Marathon u.a. Veranstaltungen sicherlich nicht mithalten. Was für 2.300 Starter organisiert wird, ist schon halt im Vergleich mit anderen Veranstaltungen kaum vergleichbar.
3. Ich werde wohl versuchen, im übernächsten Jahr wieder mitzumachen und im nächsten Jahr irgendwo eine normale Langdistanz absolvieren wollen!!
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