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07. Mrz
2014

Bernd Buchholz – In 11 Wochen zum IM Neuseeland 2014

2014_Ironman_Neuseeland_015(zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Der spinnt doch, das geht doch nicht…. denken jetzt alle. Geht doch, du musst nur daran glauben und trainieren.

In 2013 hatte ich nach dem IM NZ ziemliche Probleme mit meinen Hüften (spez. links), Rippenprellung & sehr viel zu tun. Irgendwo muss ja die Kohle für 4 Monate Newzealand herkommen, ich darf hier nicht arbeiten . Soll heissen, ich hab seit März 2013 NICHTS sportliches gemacht ausser ein paar Wellnesstrainingsschwimmen. Dann ging es Ende November wieder nach NZ, und der erste 5KM Lauf ist mir noch gut in Erinnerung. Da hast du keine Idee, wie du 226km am 01.03.2014 überstehen könntest.

Die ersten Radtrainings mit 50km zeigten auch noch keine Leistungsexplosion. Aber ein Blick auf die Waage hat gezeigt, dass was anderes explodiert war, mein Gewicht! + 5 kg. Ganz toll… also kein Alkohol mehr bis zum 1.3. und noch mehr auf die Ernährung achten. Hat sehr gut funktioniert, kann ich nur empfehlen ( ich höre schon den Aufschrei :-). Jedenfalls bin ich mit 68kg angetreten und hab mich gut gefühlt. Vegetarier bin ich seit 24 Jahren und seit ich „EAT&RUN“ von Scott Jurek zu Weihnachten geschenkt bekommen habe, geht die Ernährung weiter in Richtung vegan. You are what you eat.

Ich war sehr viel im Pool schwimmen und habe wieder vorgeführt bekommen, dass ich der untalentierteste Schwimmer der Welt bin. Aber 3,8km warten auf dich. Bike und Run waren sehr mühselig und im Dezember waren keine grossen Steigerungen zu sehen. Aber wenigstens keine Verletzungen und noch wichtiger: keine Erkältungen.

Nachdem alle Mitte Januar in unserem Haushalt schwer auf der Nase gelegen haben, bin ich verschont geblieben. Es durfte eben nicht sein, also ist es auch nicht passiert. Das Lauftraining war teilweise so schlimm, dass der Gedanke aufkam das Vorhaben IM NZ abzublasen. Und am nächsten Tag wieder aufs Rad, und siehe da, ein Hoffnungsschimmer! Zwischendurch mehrere Tageswanderungen in anspruchsvollen und wunderschönen Gebiet haben mir richtig gut getan.

Die letzten 5 Wochen bin ich dann auf nennenswerte Distanzen gekommen, also 140 – 180km Rad und Läufe bis ca. 34km (und die waren NICHT flach) und so langsam kam das Feeling auf, da wird nicht ein DNF hinter deiner Startnummer in den Resultaten stehen.

Zum Thema Startnummer, ich hatte die 1680. Die höchste war ca. 1750, und die Startnummern sind nach Agegroup und Namen sortiert. Da könntest du kotzen, du bekommst an kaum anderer Stelle so vorgeführt, wie dein Alter in Wirklichkeit aussieht. Bei der Anmeldung musst du dein Alter so eintragen, wie du am 31.12. des Jahres sein wirst. Ganz toll…..Anyway, du bekommst aber keine Zeitgutschrift oder ein Handikap wie bei Golfern (kann man das Sport nennen ??), du bist in derselben Arena wie die Profs.

In der letzten Woche war ich schon in Taupo und habe noch einige Schwimmeinheiten im See gemacht, die waren auch dringend nötig, wie ich festgestellt habe. Draussen hast du ganz andere Probleme und die mühselig trainierte 3er-Atmung war wieder blitzschnell und ganz automatisch auf 2er-rechts, ganz so wie vorher:-).

Vorher beim Radtraining hatte ich diverse verschiedene Winde, und mir war klar, dass ich bei Südwind Probleme bekommen könnte, den Cut-Off zu schaffen. Beim schwimmen sind Wellen auch nicht sehr hilfreich. Um 6:45 ging die Kanone (es ist wirklich eine) für die Profis los und ich saß noch auf dem Dixi. Schnell ins Wasser und dann ging´s auch für die Agegroups ab um 7:00 Uhr los.

Irgendwie war ich ein bisschen weiter vorne als sonst, jedenfalls hatte ich so ein Gewühle nicht nie erlebt. Das Wasser in Taupo ist glasklar, du siehst alles im Umkreis von mehreren 10 Metern, also auch den Grund. Die üblichen Krämpfe auf dem Rückweg, ansonsten hab ich das Schwimmen genossen wie nie zuvor. War ein wenig schneller als letztes Jahr, also persönliche Bestzeit.

Raus aus dem Wasser, zur Transition sind´s ca. 400m und eine Treppe. Und der Mensch lernt ja so schlecht, ich donner mit meinem rechten Fuß an die erste Stufe, ganz wie letztes Jahr. Die Organisation in Taupo ist hervorragend, 2000 freiwillige Helfer. Der Neo wird dir runtergerissen, alle Pflaster geklebt, Klamotten an , eine volle Ladung Sunscreen (auf den Fotos sehe ich aus wie ein Zombie) und dann geht´s ab auf die 180km.

Wettervorhersage war southwesterlybreezes, und auf dem Rückweg der ersten Runde wurde mir gezeigt, was das heisst: Gegenwind . War für mich ziemlich kräfteraubend. Aber ich war gut im Zeitrahmen, d.h. der Cut-Ooff um 17:30 sollte zu schaffen sein, wenn ich nicht 3 Platte habe oder die Kette reißt, oder…,oder…,oder…

Der Hintern tut weh und immer noch 45km zu fahren und wieder der Scheisswind. Der Rückweg nach Taupo steigt die letzten 10 km an, aber egal, der Gedanke dass du bald vom Rad runter darfst treibt dich weiter. Geschafft, das Rad wird dir abgenommen, und jetzt musst du bloß noch´nen Marathon laufen.

3x14km . Du trabst los und fühlst dich wie Pinoccio, so steif sind die Beine. Die Hüften sind ok, aber auf dem Rad war mehr Kraft verblasen als geplant (gehofft). Du siehst die anderen Athleten, „Man die haben schon 3 Bändchen, letzte Runde für die… aber nicht für dich!!! Also einen Schritt nach dem anderen, der nächste ist der wichtigste. Die Sonne grillt dich, aber ist ja genug sunscreen drauf. Der Wind kommt aus Süden, ist also kühl. Könnte schlimmer sein.

Hunderte von Volunteers an den Aidstations, tut mir leid, ich kann nicht alles nehmen. Der ganze süße Kram verklebt dir sowieso alles, ich trinke nur noch und immer ein Becher über Kopf. Das erste Bändchen…..jetzt brauchst du nur noch zwei. Die Zuschauer sind unglaublich, man haben die eine Ausdauer. Du hörst die verschiedensten Interpretationen deines Namens, das lenkt ein wenig von den Schmerzen ab. Das zweite Bändchen, es ist Land in Sicht. Und weiter, das dritte. Man,man wo ist denn der Zielbereich, ist noch so weit.

Und dann, die ersten Geräusche vom Finish. Die Zuschauer sind unglaublich, soviel Beifall, Rufe, lächelnde Gesichter habe ich noch nicht erlebt. Es wird immer lauter, und alle Schmerzen sind wie weggeblasen. Du könntest lossprinten, aber wie blöd müsste man sein, diesen Augenblick zu verkürzen.

Sehe meine Freunde und dann den letzten Turn und die Finishchute. Die letzten Meter mit ohrenbetäubendem Lärm …..Bernard Buschholz from germany…. und dann „youre an ironman“ von Mike Reilly.

Der beste Zieleinlauf meines Lebens. Überlebt……. und jetzt ist U R L A U B

Bernd

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